Jul 2009 19

fbIn letzter Zeit muss ich oft über Facebook  sinnieren. Und komme gerade zum Fazit: Gutes Konzept. Doch ein gutes Konzept braucht gute Voraussetzungen, und das sind einmal die User beziehungsweise die FB-Freunde.

Alles hat so seinen Anfang. Lange war ich skeptisch über Facebook und die Daten, welche gesammelt werden. Der Datenschutzbeauftragte warnt vor unsachgemässe Benutzung dieser Social-Community. Denn zurecht! Wer keinen Schimmer hat, besteht die Gefahr seine Daten preiszugeben (naja – alles N00bs!). Da die Daten ohnehin gesammelt werden und ich kein N00b bin, habe ich beschlossen dieser Social Community beizutreten. Ein Fehler? Mal sehen…

So, nach etwa einem Jahr Mitgliedschaft habe ich meine FB-Freunde (hauptsächlich Bekannte) so gesehen wie nie zuvor. Sehr oberflächlich und wenig informativ. Die allerwenigsten sind Männer und Frauen von Welt und absolute Querdenker. Na woran liegt dieser Unterschied? Liegt doch auf der Hand! FB ist ein Massenphänomen und wiederspiegelt ganz einfach den Typen “Mensch”. Der Typ “Mensch” ist an für sich ein merkwürdiges evoluiertes Tier. Der Mensch ist ein Herdentier. Es gibt darunter unterschiedliche Charaktere unter dem Typ “Mensch”. Davon möchte ich kurz berichten.

1. Es gibt den Jäger und Sammler, welche nur seine Freundesliste mit neuen Zugang aufstocken möchte. Masse statt Klasse eben. Man fühlt sich irgendwie wie eine Nummer. Klar kenne ich auch einen Haufen Leute, so ist es nicht. Müssen diese aber alles mitbekommen, was ich so treibe in meiner Freizeit? Interessiert sie das überhaupt?

2. Der nächste ist ein Poser. Knallhart wimmelt es von Räp-Hardcore-Zeilen eine nach der anderen und beglücken somit mit Ghetto-Allüren die Buddies auf Facebook. Imposant!

3. Der ähnliche Typ wie der Sammler ist der Einmal-Gruppe-Klick-Revolutzer. Politische Statements werden per Mausklick der ganzen Online-Community offenbart. Ein Gruppengefühl entsteht. Ein wahrer Mensch mit Profil und Rückgrad! Doch leider lässt sich die Welt nicht so einfach ändern. Wollen wir was ändern müssen wir uns existenziell mit Reallife beschäftigen. Das heisst unter anderem die eigenen Konsumwünsche reduzieren oder politisch aktiv werden und andere Mitmenschen (mit)bewegen. Ein schier unmögliches Unterfangen, wenn man es glauben will.

4. Die Creme de la Creme bildet die Gruppe Fan-Klicker. Ist ähnlich wie der Einmal-Gruppe-Klick-Revolutzer. Mit einem Klick weisst du schon heute was ich Fan bin. Beispiele kann ich genug nennen.  Ich bin ein Fan von: ‘1. August Schweizer Nationalfeiertag’, ‘Ferien’, ‘Pommes-Frittes’, ‘Schweizerdytsch’,.. die Liste ist ellenlang. Ich frage was sich die Leute da versprechen. Gratisferien? Oder fühlen sie sich in Ihrer Identität einmal mehr bestätigt?

5. Ah, eine Gruppe ist mir noch eingefallen. Und zwar die Quizzies (so nenne ich die Leute, die dämmliche Quiz ausfüllen).  Quizzies sind noch grössere Langweiler als Steve Urkel. Kaum zu glauben aber wahr. Denn diese Leute beschäftigen sich mit Ausfüllen von Quiz, damit sie am Ende ein Resultat erhalten, dass den Durst des Lebens löscht. Ein beliebter Quiz ist “Wie hoch ist mein IQ?” Dessen Resultat bestimmt unter 40 fallen muss, wenn man so einen Quiz überhaupt anfängt.
Gibts eigentlich noch andere Typen?

Die ganze Nörgelei hier geht eigentlich der Frage nach “Warum dieser Social-Scheiss?”. Ganz sicher aus Langweile und aus Stupidität. Denn sind wir mal ehrlich, bei dem ganzen Haufen an Problemen, die wir global tragen sollten, ist FB nur eine dekadente Ablenkung des Abendlandes.

7 Antworten auf “FaceBook – die pure Oberflächlichkeit”

  1. msg4friends sagt:

    Welch wahre Worte. FB ist Müll. Und die ganzen anderen Social Dinger ebenfalls. Bedient nur die Profilierungssucht…

  2. robert sagt:

    <- klickt "gefällt mir" :-)

  3. Karl sagt:

    nice… gut geschrieben und soviel wahrheit drin…

  4. sharon sagt:

    Der Text ist wahr, aber du sagst nicht zu welcher Schublade, du steckst. Ist es nicht so, dass jeder von uns irgendwo dazu gehören möchte und wissen möchte was der andere so macht. Zum Beispiel, ich habe mit meinen Nichten mehr Kontakt als die letzten fünf Jahre. Alte Schulfreunde, die ich sehr gerne wieder sehen wollte, habe ich durch Facebook gefunden und sie wieder getroffen etc.
    Es ist auch für viele von uns User auf Distanz Kontakt zuhalten, die Änderung mitzuerleben und trotzdem ein Teil davon zu sein.

  5. bully sagt:

    hallo Sharon, schön dass du hier zu meinen wilden Fantasien gefunden hast.
    Auf jeden Fall ist das erwähnenswert, dass man mit alten Bekannten wieder Kontakt findet. Das ist auch gut so. Die Kehrseite ist einfach – und das ist ja nur meine persönliche Ansicht – dass wir vom Westen es zu gut haben und in die Oberflächlichkeit mit diesen Schnickschnack-Applikationen abdriften.

  6. Stellatum sagt:

    “Wir haben so viele Freunde auf Facebook, dass wir einen neuen Namen für die Echte brauchen…”
    Ich finde dieses Zitat sagt alles! Aber all diese Oberflächlichkeit macht mir auch Angst; Was ist denn noch echt? Welche Freundschaft ist noch echt? Welcher Mensch ist überhaupt noch echt?
    Warum braucht man 1000de “Freunde” auf Facebook? Weil man nicht mehr in der Lage ist wirkliche Freundschaften zu führen, weil man sich dann mit sich und seinen Mitmenschen auseinandersetzen muss und vielleicht auch verstehen und akzeptieren muss, dass jeder anders ist und denkt? Nein, das ist alles zu kompliziert, oh du bist nicht meiner Meinung?!? Na dann lösche ich schnell deinen Kontakt von meiner Freundschaftsliste auf Facebook…

  7. bully sagt:

    Hallo ersteinmal und schön, dass du auch aus dem gleichen Holz geschnitzt bist. Du hast wahrlich in allen Punkten recht. FB ist für den *****! Sinnvoll ist für mich FB dort, wo man die Leute selten oder fast nie sieht… aus Ferien, ferne Verwandtschaft etc. Aber die ganze Heimatstadt brauche ich auch nicht auf FB.

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